Deportation aus Nikolaital am 17.09.1941

Etwa zwei Wochen vor der Deportation der Russlanddeutschen aus Nikolaital, wurden alle Juden der Umgebung abtransportiert. Ob es für die Juden freiwillig oder unfreiwillig war, ist nicht bekannt. Jedenfalls fuhren sie in Transportzügen weg.
Den Russlanddeutschen des Dorfes und Umland wurden drei Stunden gegeben um alle notwendigen Sachen zu packen. Den Menschen wurde gesagt, dass sie für eine nicht sehr lange Zeit weggebracht werden und schon bald in ihre Wohngebiete zurückkehren dürfen. Jedoch glaubte kaum einer ernsthaft an den Wahrheitsgehalt dieser Versprechungen. Dennoch schlossen die Menschen ihre Häuser ab und ließen die Tiere aus den Ställen, damit sie sich “während der Abwesenheit” ihrer Herrn frei bewegen konnten.
Anschließend wurden die Russlanddeutschen in den für den Personentransport notdürftig präparierten Viehwagons nach Sibirien oder nach Kasachstan transportiert. Die Reise nach Kasachstan dauerte etwa einen Monat. In dieser Zeit mussten die Menschen sich selbst ernähren. Vielen gingen die Vorräte schnell aus, so dass sie an Haltestellen, an denen der Zug hielt, bei anderen betteln mussten. Man wußte nicht wann und für wie lange der Zug das nächste Mal halt macht. Es kam vor, dass der Zug tagelang fuhr, ohne anzuhalten. Die Menschen mussten ihre Notdurft während der Fahrt verrichten. Es kam auch vor, dass der Zug hielt, die Menschen stellten schnell ihre Kochtöfe auf, machten Feuer und mussten das Kochwasser ausgießen, noch bevor das Fleisch im Topf gar wurde, weil der Zug losfuhr.
Einige Passagiere der Wagons erzählten von menschlichen Körperteilen und Kleiderstücken, die auf einigen Streckenabschnitten auf Bäumen hingen. Vermutlich waren es Zeugnisse von Zügen oder Wagons, die von deutschen Bombern zerstört wurden. Aus Angst vor Bombenangriffen ließen die Passagiere weiße Bettlacken aus dem Zug hängen, oder spannten sie über die Dächer der Wagons.
Bei der Deportation wurden oft Familien aus einander gerissen, die einen kamen nach Sibirien, die anderen nach Kasachstan.

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Eine Antwort auf Deportation aus Nikolaital am 17.09.1941

  1. Jana sagt:

    Danke für den Aufschluss! Ich recherchiere schon seit längeren. Meine Urgroßmutter stammt ursprünglich aus Nikolaital und meine Oma, ihr Bruder und Sie wurden getrennt während dieser Zeit. Die Geschichte war schwammig, war meine Oma doch noch sehr jung. Jetzt kann ich ihr sagen, dass meine Großmutter gezwungen war Nikolaital zu verlassen.
    Vielen Dank!

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